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Die Orchideenblüte

Autor: Ruedi Peter


Stanhopea
Die Pflanzenfamilie der Orchideen ist entwicklungsgeschichtlich jung. Es gibt fast keine fossilen Funde von Orchideen, weil Orchideenteile nur schlecht versteinert werden. Zum Zeitpunkt ihres Auftretens gab es bereits zahlreiche verschiedenartige Insekten. So entstanden in wechselseitiger Anpassung zwischen Orchideen und bestäubenden Insekten gegenseitige Bindungen und Abhängigkeiten. So sind die Anpassungen der Orchideenblüte an ihre Bestäuber eine Erklärung für die große Formenfülle dieser Pflanzenfamilie. Man schätzt, dass es 20'000 - 40'000 Orchideenarten gibt.

Bild links:Stanhopea, eine tropische Orchidee aus Südamerika, mit aussergewöhnlichen Blüten

Bekannt ist das bei der Gattung Ophrys, die auch in Europa vorkommt. Es wird gesagt, dass jede Ophrys-Art von nur einer Insektenart bestäubt wird, d. h. dass sie einen spezifischen Bestäuber hat.
 
Die Orchideen gehören zu den einkeimblättrigen Pflanzen, den Monocotyledonen. Dazu gehören Lilien, Iris, Gräser usw. Die Grundform der Orchideenblüte ist die Lilienblüte, wie z. B. eine Tulpenblüte. Diese besteht aus 5 dreiteiligen Kreisen:
•   äussere Kronblätter (Sepalen)
•   innere Kronblätter (Petalen)
•   äusserer Staubblattkreis
•   innerer Staubblattkreis
•   Fruchtblätter (Stempel), die zum Fruchtknoten verwachsen

Lilienblüte: Diagramm und Zeichnung

Lilienblüte: Diagramm und Zeichnung

Das Kelchblatt ist ein Brakteum (Hochblatt).


 
Eine Orchideenblüte kann man zerlegen. Das ergibt eine Blütenanalyse. Diese ist für eine Art charakteristisch.

Blütenanalyse und Blüte von Serapias

Blütenanalyse und Blüte von Serapias

Gynostemium: Säule
Hypochile und Epichile:     Teile der Lippe
Lateral lobe: Seitenlappen der Lippe
Bract: Brakteum (Hochblatt)
Ovary: Fruchtknoten

Schematischer Aufbau der Blüte einer Fuchs' Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii) - in Vorder- und Seitenansicht
 
Vorder- und Seitenansicht Dactylorhiza fuchsii

1     äussere Blütenblätter
2 innere Blütenblätter
3 Lippe
6 Sporn (Teil der Lippe)
7 Säule
8 Fruchtknoten
9 Brakteum (Hochblatt)

Bau der Fortpflanzungsorgane bei Fingerwurz-Arten

a) Konnektiv
b) Anthere (Staubblatt)
c) Pollinium
d) Caudicula (Stiel des Polliniums)
e) Staminodium (unfruchtbares Pollinium)
f) Viscidium (Klebscheibe)
g) Bursicula (Hülle über den Viscidien)
h) Narbe
i) Sporneingang
j) Rostellum
Fortpflanzungsorgane bei Fingerwurz-Arten

Blütendiagramm der Orchideen (aus Reinhard et al. 1991)
Blütendiagramm der Orchideen

An Stelle einer Zeichnung kann man die Blüte auch mit einer Formel beschreiben, der Blütenformel. Diese gibt in einer Formel den Aufbau einer Blüte an. Man beginnt von aussen, dann folgen die Teile im Inneren. Alle Teile sind in Kreisen angelegt. Man beginnt also aussen mit den Kelchblättern (K), dann folgen die Kronblätter (C), dann die Staubblätter (A) und ganz innen die Fruchtblätter (G) (der Fruchtknoten). Für jeden Kreis steht ein Buchstabe: K für Kelchblattkreis, C für Kronblattkreis, P für den Perigonblattkreis (Kelchblattkreis und Kronblattkreis, wenn sie nicht unterscheidbar sind), A für den Staubblattkreis und G für den Fruchtblattkreis. Daneben gibt man durch Klammern an, welche Teile verwachsen sind, die Lage des Fruchtblattkreises (d. h. ob der Fruchtknoten ober- oder unterständig ist).


Für Lilien ist sie:    P 3  +  3 A 3  +  3

G (3)



Für Orchideen ist sie:    z P 3  +  3 A (2-1)

G (3)

z: bilateralsymmetrisch, d. h. nur eine Symmetrieachse
P: Perigonblätter (Kelch [K] und Krone [C])
A: Staubblätter
2-1:     ursprünglich beide Blütenblattkreise, jetzt im äusseren 2 Staubblätter, im inneren 1 Staubblatt
G: Fruchtblätter (Fruchtknoten)
() verwachsen

G

unterständig, wenn über G gezeichnet, d. h. unter den Perigonblättern;

G

oberständig, wenn unter G gezeichnet, d. h. über den Perigonblättern

Weiterführende Informationen

Literatur

DRESSLER, R. (1993): Phylogeny and Classification of the Orchid Family. Cambridge UK.
FAST, G. (1995): Orchideenkultur. Botanische Grundlagen, Kultur- verfahren, Pflanzenbeschreibungen. Stuttgart.
HESS, D. (1990): Die Blüte. 2. verbesserte und ergänzte Auflage. Stuttgart.
REINHARD, H. R., P. GÖLZ, R. PETER, H. WILDERMUTH (1991): Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete. Egg (CH).

Internet

http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d02/zygom.htm#01
http://jhered.oxfordjournals.org/cgi/content/full/96/1/15
http://www.pae.asn-graz.ac.at/linux2/tutor-bu/Bestaeubung.html
http://www.rbgkew.org.uk/cval/homepage.html
http://www.uni-graz.at/~scheuer/HPHL/Bluetengrundriss.jpg
 
Ruedi Peter
Aumattstr. 71
4153 Reinach
rudolf.peter@roche.com
 
Anmerkung: die Abbildungen in diesem Artikel stammen teilweise aus den angegebenen Internetlinks.

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Aktualisiert 10. 03. 2009

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