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Entwicklung der Orchideen-Population
Die Orchideen des Lehrpfadgebietes werden seit 1978 jedes Jahr ausgezählt.
Die erhaltenen Daten zeigen 
| • | einerseits die natürlichen Schwankungen der Häufigkeit der blühenden Pflanzen bedingt durch klimatische Effekte, z. B. trockenes (Sommer 2003, Frühling 2007) oder nasses Jahr während der Wachstumszeit, kalter Winter. Dabei schwankt nicht nur die Anzahl der blühenden Exemplare, sondern auch die Pflanzengrösse. |
| • | andererseits längerfristige Entwicklungen bedingt durch Veränderungen der Boden- und Lichtverhältnisse, z. B. Wuchs der Büsche und Bäume führt zu mehr Schatten mit entsprechend feuchterem Boden und damit anderem Bewuchs. |
Um die Entwicklungstendenzen leichter erkennen zu können, wurde in den folgenden Diagrammen jeweils der 3-Jahres-Mittelwert (MW 3 Jahre) aufgetragen (vgl. Bild rechts). Dabei zeigt sich, dass es sowohl Gewinner als auch Verlierer bei den Orchideenarten gibt.
Warum Gewinner und Verlierer? Einfluss der Pflegemassnahmen
Art der Pflegemassnahmen: 1970 wurde das Lehrpfadgebiet von der Gemeinde etwas ausgelichtet. Davor war das Gebiet lichtärmer bzw. „waldähnlicher“. Seit 1977 wird auf jede landwirtschaftliche Bewirtschaftung und vor allem Düngung verzichtet. Im Herbst wird es regelmässig von der AGEO gemäht und das Gras entfernt. 1997 wurden grössere Rodungsarbeiten durchgeführt.
Aufgrund dieser Pflegemassnahmen sind einige Licht liebende Arten eindeutig am zunehmen (vor allem seit 1997 verläuft der Anstieg sprunghaft), dabei am eindrücklichsten die Gymnadenia conopsea von ca. 250 Pflanzen in den ersten Jahren auf über 1’200 Pflanzen.
Gleichzeitig sieht man bei diesen Orchideen einen deutlichen Einbruch nach dem trocken / heissen Sommer 2003. So hat z.B. Gymnadenia odoratissima erst 2008 wieder geblüht ( mit 4 Exemplaren, 2009 6 Exemplare)! Auch der sehr trockene / warme Frühling 2007 wirkte sich auf die Orchideen des offenen buschlosen Halbtrockenrasens negativ aus. 2008 und 2009 kam es zu einer langsamen Erholung. Es ist zu hoffen, dass das Wetter in der nächsten Zeit nicht vergisst, dass wir uns in der gemässigten Klimazone befinden.
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Bei anderen Orchideenarten ist der Trend aufgrund der Pflegemassnahmen nicht so eindeutig. Aber bei den meisten sind die Auswirkungen des trocken / heissen Sommers 2003 erkennbar. Bei den Ragwurzen (Ophrys) sind die Schäden am geringsten.
Durch den Erhalt des Halbtrockenrasens und die Auslichtung des Waldteiles sind einige „Waldorchideen“ am abnehmen bzw. vom Lehrpfadgebiet verschwunden. Einige Orchideen kommen deshalb auf dem Lehrpfad-Gebiet nur sporadisch vor, sind aber im umliegenden Wald vorhanden. Dies betrifft z. B. das Blasse und das Rote Waldvögelein, einige Ständelwurz-Arten sowie die Vogelnestwurz.
Am Beispiel des kriechenden Netzblattes (Goodyera repens) lässt sich gut verfolgen, wie die Population von rund 100 Pflanzen an diesem Standort innerhalb von rund 10 Jahren vollständig verschwindet, weil die Biotopbedingungen nicht mehr stimmen.
Fazit: Biotop Pflege- und Schutzmassnahmen haben immer Auswirkungen auf alle Tiere und Pflanzen des Gebietes. Erfolgreicher Biotopschutz bedingt deshalb möglichst gute Kenntnisse des Gebietes, um mit zielgerichteten und massgeschneiderten Eingriffen die gewünschten Biotope zu schaffen bzw. zu erhalten und dabei möglichst wenig andere seltene Pflanzen und Tiere zu gefährden. Extreme Trockenheit im Frühling und im Sommer - wie in den vergangenen Jahren verstärkt aufgetreten - schädigen auf dem Lehrpfad vor allem die Orchideen des Halbtrockenrasens.
Quantitative Orchideenliste, sortiert nach Blütezeit
Seit dem heissen Sommer hat sich der Orchideen-Bestand auf dem Lehrpfad mengenmässig noch nicht erholt. Um dies zu demonstrieren, sind in der Tabelle folgende Zahlen aufgeführt:
| • | Durchschnittswert (MW 10 J.) bzw. Maximalwert (Max 10 J.) der letzten 10 Jahre (Stand Ende 2008) |
| • | Durchschnittswert (MW 3 J.) bzw. Maximalwert (Max 3 J.) der letzten 3 Jahre (2005 bis 2008) |
Die Entwicklung der letzten 3 Jahre wird durch folgende Färbung in der letzten Spalte (Maximum der letzten 3 Jahre) sichtbar:
da grün und blau gegenüber rot dominiert, ging es die letzten beiden Jahre aufwärts
(rot: maximaler Wert 2007, blau: maximaler Wert 2008, grün: maximaler Wert 2009).
Gezählt wurden jeweils blühende Exemplare.
| Art (deutsch) | Art (lateinisch) | MW 10 J. | Max 10 J. | Blütezeit | MW 3 J. | Max 3 J. |
| Kleine Spinnen-Ragwurz | Ophrys araneola | 175 | 223 | April-Mai | 142 | 211 |
| Helm-Knabenkraut | Orchis militaris | 184 | 361 | April-Mai | 111 | 183 |
| Manns-Knabenkraut | Orchis mascula | 113 | 167 | April-Mai | 78 | 96 |
| Fliegen-Ragwurz | Ophrys insectifera | 29 | 64 | Mai-Juni | 19 | 22 |
| Hummel-Ragwurz | Ophrys holoserica | 45 | 64 | Mai-Juni | 25 | 32 |
| Puppenorchis | Aceras anthropophorum | 10 | 23 | Mai-Juni | 8 | 10 |
| Grünliche Waldhyazinthe | Platanthera chlorantha | 90 | 160 | Mai-Juni | 52 | 72 |
| Schwertblättriges Waldvögelein | Cephalanthera longifolia | 40 | 80 | Mai-Juni | 16 | 22 |
| Blasses Waldvögelein | Cephalanthera damasonium | 1 | 5 | Mai-Juni | 0 | 0 |
| Vogelnestwurz | Neottia nidus-avis | 2 | 13 | Mai-Juni | 0 | 0 |
| Grosses Zweiblatt | Listera ovata | 255 | 556 | Mai-Juli | 104 | 166 |
| Mückenhandwurz | Gymnadenia conopsea | 954 | 1'700 | Mai-Juli | 639 | 893 |
| Wohlriechende Handwurz | Gymnadenia odoratissima | 21 | 78 | Juni-Juli | 3 | 6 |
| Bienen-Ragwurz | Ophrys apifera | 20 | 59 | Juni-Juli | 9 | 13 |
| Pyramidenorchis | Anacamptis pyramidalis | 154 | 196 | Juni-Juli | 95 | 132 |
| Fuchs-Fingerwurz | Dactylorhiza fuchsii | 8 | 12 | Juni-Juli | 6 | 10 |
| Braunrote Ständelwurz | Epipactis atrorubens | 14 | 47 | Juni-Juli | 0 | 1 |
| Müllers Ständelwurz | Epipactis muelleri | 7 | 26 | Juni-Juli | 3 | 8 |
| Breitblättrige Ständelwurz | Epipactis helleborine | 1 | 5 | Juli-Aug. | 0 | 0 |
| übersehene Ständelwurz | Epipactis neglecta | 1 | 3 | Juli-Aug. | 2 | 3 |
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Die Seite wurde aktualisiert am 31. 03. 2010.
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