16. September |
Joe Meier, Attelwil: 3 Projekte zur Schonung und zum Schutz der Orchideenstandorte im Engadin
Teil 1
Im September 2005 dröhnten in Sur En Motorsägen aus einem Frauenschuhstandort. Wie immer, wenn der Forst einen Schlag macht, ist das Schlachtfeld für unsere Augen, unser Empfinden unerträglich. So war es auch diesmal. 32 Forstlehrlinge sägten und rückten Bäume was das Zeug hielt. Mehr als 30 Baumstämme, deren abgesägten Äste, lagen in einer Runse, in der im Juni davor noch über 1300 Cypripedien blühten. Mit Seilwinden wurden die Stämme über die abgeblühten Pflanzen gezogen. Mir stand das Herz still. Aus dem Stand rief ich eine mir bekannte Person im BAFU (ehemals BUWAL) an und liess meiner Wut freien Lauf.
In meinem Vortrag erzähle ich Ihnen, welch gute Sache aus einem Mega-Frust entstehen kann. Und wie man neue Freunde dazu gewinnt. Der Forst, dein Freund und Helfer.
Teil 2 Im Jahre 2006 schrieb ein jahrelanger Gast aus der Zürichseegegend den Gemeinden Scuol, Sent und Ramosch, dass in ihren Gemeindegebieten massiv Frauenschuhe ausgegraben bzw. geräubert würden. Da ich schon länger mit dem Forst des Unterengadins in anderen Projekten zusammenarbeite, übergaben mir diese die handgeschriebenen Briefe des damals 86-Jährigen, mit der Bitte, der Sache nachzugehen, die Interessen und Kräfte zu bündeln. Die mir übergebenen Meldungen schienen mir anfänglich etwas übertrieben. Nach einer Begehung verschiedener dezimierter Standorte in Scuol und Umgebung mit dem Informanten, musste ich einsehen, dass die Räubereien eine Grösse angenommen hatten, die nicht mehr toleriert werden darf und weit gravierender als angenommen war. Handeln war angesagt. Um das jetzt laufende Projekt nicht zu gefährden, erzähle ich Ihnen dann in meiner bebilderten Berichterstattung, wie wir die Sache angegangen sind. Eines ist sicher: Die Kriminalisten unter Ihnen kommen voll auf die Rechnung – egal, ob die Täter erwischt werden oder nicht.
Teil 3
2002 hörte ich zufällig die Hiobsbotschaft, dass in Ramosch eine Melioration im Gange sei und die Gemeinde diesem Projekt mit über 60% zugestimmt habe. Für viele Blumen- im speziellen Orchideenfreunde ein Schlag voll in die Botanikerseele. Denn jeder weiss, welche Folgen eine Melioration in einem so diffizilen Gebiet im Normalfall hat. Da muss man im Unterengadin nur die Umgebung von Guarda, Ardez, Ftan, Scuol, Sent und Tschlin aufmerksam begehen, dann weiss man Bescheid.
Auch wenn im Vorfeld von allen „Fachleuten“ der Verlust der Biodiversität bestritten wird. Ja, man weist darauf hin, dass mit den Landwirten Bewirtschaftungsverträge abgeschlossen würden. Es wird sogar behauptet, dass nicht etwa Mehrertrag bei den Landwirten das Ziel sei, sondern die Technik, Art und Weise im Vordergrund stehe, wie in Zukunft die Berglandschaft bewirtschaftet werden soll.
2008/09 haben Klaus Hess und ich ca. 40 Feuchtgebiete, die in der vorgesehenen Melioration liegen und vom Strassenbau massivst tangiert werden, auf Orchideenvorkommen kartiert. Daneben haben wir auch andere, seltene Pflanzen protokolliert. Der Strassenbau wird Tausenden Orchideen den Kragen kosten, das wird leider unvermeidbar sein. Man kann Hangmoore, Feuchtgebiete und Trockenwiesen mit neuen Strassen nicht queren, ohne massive, irreparable Schäden anzurichten. Die negative Nachhaltigkeit auf diese Biotope wird gründlich sein. Den gegen 50-seitigen Bericht haben wir im Auftrage des Kantons Graubünden gemacht und ausgeliefert. Interessierte können sich den Bericht hier herunterladen (2.3 MB). Eines sei jetzt schon verraten: Der Piz Arina gehört zu den Landschaften von nationaler Bedeutung und wurde 1983, Nr. 1909, mit 49.36 Quadratkilometern in das Bundesinventar der Schweiz aufgenommen. Eine Perle von Landschaft, die es zu erhalten gilt. Und die, das ist meine Sicht der Dinge, sowohl mit Geldern von Bund als auch Kanton Graubünden unwiederbringlich zertreten wird.
Über diese Kartierungsarbeit berichte ich Ihnen an diesem Abend und zeige u.a. auf, was in diesen neu erschlossenen Parzellen innert weniger Jahre passiert, wenn sie mit dem Traktor und Jauchefass erreichbar gemacht werden. Dieser Teil meines Vortrages wird nicht der erfreuliche sein. Ich habe mich deshalb noch nicht entschieden, ob ich Ihnen diesen Bericht als Vorspeise, Hauptgang oder Dessert servieren soll. |